Deutsche Geschichte
15. - Kapitel Endlich in Canada

. . . Ihr Zug sollte um 17:30 auslaufen, aber hier nahmen sie es anscheinend nicht so genau mit der Zeit, denn es wurde fast 18:30 bis es endlich los ging. Genau wie in Deutschland, konnte man auch hier am Baujahr der Waggons sehen, wie wichtig diese Bahnstrecke fuer die Eisenbahngesellschaft war. Den Wagen nach zu urteilen, war das eine gaenzlich unbedeutende Nebenstrecke. Die Geschwindigkeit des Zuges war ebenfalls schneckenhaft, man haette Schilder an die Tueren haengen sollen, dass Blumenpfluecken waehrend der Fahrt verboten sei. Der Zug hielt an jedem noch so kleinen Dorf an, wo lang andauernde Ab-und Zuladungen stattfanden. Es war anscheinend der lokale Milch "Express," denn grosse Milchkannen schienen einen erheblichen Teil des Frachtgutes auszumachen. . . .

Die Gegend, durch die sie hier fuhren, sah auch nicht gerade sehr einladend aus. Die Haeuser waren meist heruntergekommen und ungepflegt, mit jeder Menge von Geruempel um die Behausung herum. Da Paul und Gottfried beide aus der Stadt waren, konnten sie sich nicht vorstellen, dass Menschen so leben wollten und ruempften ihre Nase. Es erinnerte Paul zu sehr an Russland und das gefiel ihm garnicht. Ausserdem sah es aus, als ob sie noch eine weitere Nacht in dem verdammten Zug zubringen mussten, denn Grande Prairie war noch in weiter Ferne. Die Strecke von Edmonton nach Grande Prairie war etwa 640 km, also nicht gerade eine Kurzstrecke. Bei dem Zugtempo wuerde es bis zum naechsten Mittag dauern bis sie endlich in Grande Prairie waren. Paul hatte die Schnauze voll von der Reiserei und wollte endlich das Ziel erreichen, aber wie voraus berechnet kamen sie erst am naechsten Tag an . . .

"High Noon" ohne Gary Cooper

. . . Am Sonnabend den 1.August mittags um 12:00 Uhr "High Noon!" (und sie lachten noch oft darueber als der Gary Cooper Film mit gleichem Titel erschien) war es endlich so weit, und das Baehnle schnaufte um die letzte Kurve und nach 18 stuendiger Fahrt von Edmonton und 16 1/2 taegiger Reise von Deutschland, waren sie wie es schien, am Ende der Welt angekommen . . .

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